Kufgem: Förderungen standen zuletzt stark in der Kritik. Angespannte Staatshaushalte und Erfahrungen aus der Pandemie haben Zweifel geweckt. Sind Förderungen für Gemeinden noch zeitgemäß? Bernhard Hofer: Die Diskussion war deutlich spürbar. 2025 wurden Förderungen teilweise schlechtgeredet, weil die Budgets knapper wurden. Gleichzeitig zeigt sich: Wirtschaftliche Impulse sind nötig, weshalb gezielte Investitionen wichtiger denn je sind. Förderungen sind kein Selbstzweck, aber sie können Entwicklungen ermöglichen, die sonst aufgeschoben würden. Katharina Waldauf: Entscheidend ist die Qualität. Während der Corona-Zeit gab es Programme nach dem Gießkannenprinzip. Das hat kurzfristig geholfen, aber nicht immer nachhaltige Effekte gebracht. Heute wird genauer hingeschaut. Gefördert werden vor allem innovative Projekte, die einen klaren Mehrwert gegenüber dem bestehenden Zustand schaffen. Kufgem: Was bedeutet das konkret für Gemeinden? Hofer: Projekte müssen gut begründet werden. Wer etwa Bauakten digitalisiert oder Messsysteme für Wasserzähler und Füllstände einführt, muss darlegen, was sich dadurch verbessert. Spart es Zeit? Werden Daten genauer? Ist das System skalierbar? Solche Fragen stehen im Mittelpunkt. Redundanzen sollen vermieden werden. Manchmal ist eine gemeinsam mit Nachbargemeinden genutzte Lösung sinnvoller als eine eigene. Waldauf: Gleichzeitig werden Gemeinden so inspiriert, bei ihren Vorhaben innovativ und kreativ zu sein und dabei über den Tellerrand hinauszublicken. Kufgem: Welche Themen sind aktuell besonders relevant? Waldauf: Innovative öffentliche Beschaffung, ökologische Maßnahmen über Programme wie jene der KPC oder digitale Infrastruktur sind stark gefragt. Auch Projekte in Gemeindegebäuden, etwa für Blaulichtorganisationen, können förderfähig sein. Der Trend geht klar in Richtung digital, technisch und ökologisch nachhaltiger Vorhaben, die die Effizienz steigern, Kosten langfristig senken und die Lebensqualität der Gemeindebürgerinnen und Bürger langfristig stärken. Kufgem: Viele Gemeinden empfinden die Förderlandschaft als komplex. Wie kann hier Unterstützung aussehen? Hofer: Mit einem strukturierten Zugang. Beim Förder-Screening der Cemit wird zunächst die Ausgangssituation analysiert. Wo steht die Gemeinde? Welche Ziele verfolgt sie? Welche Projekte sind geplant? Auf dieser Basis entsteht ein Überblick über passende Programme inklusive einer Begründung, warum etwas möglich ist oder nicht. Das schafft eine fundierte Entscheidungsgrundlage. Waldauf: Zusätzlich begleiten wir im Projektmanagement. Fristen, formale Anforderungen und Abstimmungen kosten viel Zeit. Diese Schritte übernehmen wir, damit in der Gemeinde Ressourcen frei bleiben. Wenn ein neuer Förderaufruf startet, weisen wir die Gemeinde aktiv darauf hin. Oft hilft hier auch der externe Blick. In Gesprächen mit den verschiedenen Abteilungen werden Ideen angesprochen, die intern nicht immer geäußert werden. Kufgem: Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz bei Förderanträgen? Hofer: KI kann bei der Recherche unterstützen. Wir nutzen aktuell ein internes Tool, das analysiert, welche Calls zu den beschriebenen Projekten passen könnten und das die Erfolgsaussichten einschätzt. Es strukturiert Inhalte und liefert Bausteine. Die fachliche Prüfung ersetzt es jedoch nicht. Außerdem kann KI dabei helfen, die Förderanträge zu formulieren. Aber Achtung: Ein gut formulierter Text nützt wenig, wenn die technischen oder organisatorischen Details nicht tragfähig sind. Waldauf: Deshalb bleibt der persönliche Austausch zentral. KI liefert Daten, Menschen bewerten und schärfen die Inhalte. Wir möchten dieses Tool in Zukunft bereitstellen, damit Fördernehmer die Erstrecherche selbstständig durchführen können. Das Förder-Screening bildet jedoch weiterhin die Grundlage für strategische Entscheidungen. Kufgem: Ihr Ausblick auf zukünftige Fördermöglichkeiten für Gemeinden? Hofer: Förderungen werden anspruchsvoller, aber nicht weniger relevant. Wer Projekte mit einer klaren Strategie verbindet und den konkreten Nutzen belegt, erhöht die Chancen deutlich. So entstehen Lösungen, die nicht nur finanziell unterstützen, sondern Gemeinden auch nachhaltig weiterentwickeln. Danke für das Gespräch!
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